1. Juli 2026
Energie

Belgiens dubioses Gasgeschäft mit Russland vor dem Importverbot

Belgien bezieht weiterhin viel Gas aus Russland, trotz des angekündigten Importverbots bis 2027. Diese Entscheidung wirft Fragen zur Energiepolitik der EU auf.

vonClara Becker1. Juli 20262 Min Lesezeit

Es ist paradox, dass Belgien, ein Land, das sich in der europäischen Gemeinschaft für eine nachhaltige und von fossilen Brennstoffen unabhängige Energiepolitik stark macht, weiterhin großzügig Gas aus Russland importiert. Die Entscheidung, dies bis zum geplanten Importverbot 2027 fortzuführen, ist nicht nur pragmatisch, sondern auch ein wenig beschämend. 

Erstens zeigt Belgiens Gaskauf, wie tief die Abhängigkeiten im Energiesektor verwurzelt sind. Die belgische Industrie benötigt Gas, und die hiesigen Politiker scheinen zu glauben, dass die gegenwärtigen Lieferungen aus Russland nicht nur erforderlich, sondern auch wirtschaftlich vorteilhaft sind. Man könnte sagen, dass es sich um eine Art ökonomisches Faustpfand handelt: solange der Markt gegenüber russischem Gas nicht vollständig geschlossen ist, kann man sich den Luxus leisten, einen Fuß in beiden Lagern zu haben. Diese pragmatische Herangehensweise trifft jedoch nicht nur auf Zustimmung: Wer auf die menschlichen und ökologischen Kosten schaut, muss ins Grübeln kommen. 

Zweitens ist es ein klarer Widerspruch zu den Klimazielen der EU. Belgien positioniert sich stolz als Vorreiter in der Bekämpfung des Klimawandels. Es gibt zahlreiche Initiativen zur Förderung erneuerbarer Energien, und zeitgleich wird der Appetit auf fossile Brennstoffe nicht nur nicht gestillt, sondern sogar mehr als nur gestillt. Es ist, als ob der Fuß auf dem Gaspedal der Klimaneutralität und der Berg im Rückspiegel gleichzeitig wahrgenommen werden, ohne dass der Fahrer weiß, wohin die Reise tatsächlich gehen soll. Für eine Nation, die sich als Vorreiter im Umweltschutz sieht, ist das kaum mehr als eine Farce.

Ein häufig vorgebrachter Gegenargument ist, dass Belgien die Energiereserven diversifizieren müsse, um für eine instabile Zukunft gewappnet zu sein. Das mag stimmen, aber es gibt einen klaren Unterschied zwischen Diversifizierung und der Fortsetzung eines Handels mit einem Land, dessen geopolitische Handlungen weltweit verurteilt werden. Die Mär von der Diversifizierung kann schnell zur Ausrede werden, um in der Komfortzone der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verweilen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Belgiens Gaskäufe aus Russland ein klares Licht auf die Absurditäten der Gegenwart werfen. Eine Nation, die sich angeblich für eine nachhaltige Zukunft einsetzt, sieht sich gezwungen, die Abhängigkeit von den gleichen alten Quellen aufrechtzuerhalten, die sie doch eigentlich hinter sich lassen wollte. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Vielleicht sind wir in der Lage, die logischen Widersprüche dieser Politik zu erkennen und darauf zu reagieren, bevor die Frist 2027 tatsächlich kommt. Der Zeitrahmen mag knapp sein, aber die Möglichkeiten sind noch lange nicht erschöpft.

Die Frage bleibt, ob Belgien, und Europa insgesamt, den Mut findet, diese Abhängigkeit zu durchbrechen. Oder werden wir weiterhin an alten Gewohnheiten festhalten, bis es zu spät ist?

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